Selbstheilungskräfte – Wie du ganz einfach Verantwortung für deine Gesundheit übernimmst!

Lesedauer: 5 Minuten

Wie entsteht eigentlich Gesundheit? Wir erklären dir was man unter dem Begriff „Salutogenese“ versteht und was dieser mit den Selbstheilungskräften zu tun hat.

Wie entsteht Gesundheit?

In den vergangenen Jahren hat sich die allgemeine Sicht auf die Medizin verändert. Während man sich vor Jahrzehnten noch darauf konzentrierte, Krankheiten zu heilen, steht heute mehr die Gesundheit im Vordergrund. Es hat also einen Wandel von der traditionellen Betrachtungsweise der Pathogenese (Wissenschaft von der Entstehung von Krankheit) weg und hin zur Salutogenese (Wissenschaft von der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit) gegeben. 

Der Begriff der Salutogenese geht auf den israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923-1994) zurück. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit sah er sich plötzlich mit der Frage konfrontiert: „Wie entsteht eigentlich Gesundheit?“ Er brachte nicht nur diese Frage in die wissenschaftliche Diskussion ein, sondern entwickelte mit der „Salutogenese“ ein Konzept zur Förderung von Gesundheit. 

Pathogenese und Salutogenese sind gewissermassen zwei Seiten einer Medaille: Die Pathogenese beschäftigt sich damit, welche Ursachen Krankheiten haben und wie diese vermieden oder bekämpft werden können. Zur Pathogenese gehört daher auch ganz klar die Prävention, d. h. die Vorbeugung bzw. Vermeidung von Krankheit. Die Salutogenese hingegen stellt begehrenswerte Ziele in Aussicht, mit deren Hilfe wir gesund bleiben oder werden können. Bei der Salutogenese geht es also vorwiegend darum, wie Gesundheit gefördert werden kann. 

Wenn sich die beiden Betrachtungsweisen letztlich auch ergänzen, ist die Pathogenese doch eher negativ ausgerichtet, indem sie Fehler, also Risiken aufzuspüren versucht, während die Salutogenese positiver denkt, nämlich: „Was kann ich besser, richtiger machen, um gesund zu sein?“ Die Salutogenese richtet sich daher mehr auf das Vorhandensein von Lebensqualität. 

Wie aber lebst du gesund? Zunächst musst du dir darüber bewusst werden, dass es im Leben keine absolute Gesundheit und auch keine absolute Krankheit gibt. Das heisst, dass auch ein noch so gesunder Mensch kranke Anteile in sich hat, und umgekehrt, dass ein kranker Mensch auch immer gesunde Anteile hat. Eines gibt es nicht ohne das andere. Gerade deshalb kann jeder etwas dafür tun, um seine gesunden Anteile zu fördern. Ein Leitsatz nach Dr. Thomas Walser lautet daher folgendermassen: „Lebe massvoll, lustvoll, natürlich und mit viel Bewegung!“ In dieser Hinsicht kannst du also Verantwortung für deine Gesundheit übernehmen. Untersuchungen haben sieben Faktoren gefunden, die im Rahmen der Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit eine bedeutende Rolle spielen:

  • nicht rauchen, am besten niemals rauchen 
  • gesundes Gewicht 
  • geringen Alkoholgenuss 
  • regelmässige Bewegung
  • ausgewogene Ernährung  
  • langlebige und qualitätsvolle Liebesbeziehung 
  • guter Umgang mit Stress und Konflikten 
  • gute Ausbildung und ein Leben lang neugierig bleiben.

Die ersten fünf Punkte sind den meisten Menschen heute bekannt und vielleicht lebst du auch schon danach. Da du dich auf Coretify bewegst, interessierst du dich vermutlich zumindest dafür und bist wahrscheinlich bereit, dein Leben in dieser Hinsicht zu verändern. Was aber ist mit den letzten drei Punkten? Bist du da nicht eher von anderen oder auch von den jeweiligen Lebensbedingungen abhängig? Der deutsch-amerikanische Psychotherapeut Fritz Perls (1893-1970) vertrat dazu die Meinung, dass wir unsere Wirklichkeit dann verändern können, wenn wir begreifen, dass wir die einzig Verantwortlichen sind, wenn es um die Sicht auf die Welt und auf unser eigenes Leben geht. Der österreichische Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (1921-2007), der sich ebenfalls mit der „Wirklichkeit“ auseinandersetzte, war derselben Meinung und veranschaulichte dies in seinen gut lesbaren und verständlich geschriebenen Büchern, die ich dir ans Herz legen möchte. 

Gesundheit kann nicht „gemacht“ werden!

Um noch einmal auf die gestellte Frage zurückzukommen: Bist du bei den letzten drei Punkten nicht eher von anderen Menschen und von deinen Lebensbedingungen abhängig? Nein, denn du bist es, die oder der die Welt auf eine ganz bestimmte Weise betrachtet und wahrnimmt. Du bist keine Marionette, die an Fäden geführt wird, sondern du kannst dein Leben selber in die Hand nehmen. Du kannst dich dafür entscheiden, nicht zu rauchen, wenig Alkohol zu trinken, gesund zu essen und dich regelmässig zu bewegen, um so dein Gewicht zu halten. Ebenso trägst du zum Gelingen deiner Liebesbeziehung bei. Coretify bietet dir ein intensives Training, um den richtigen Umgang mit Stress und Konflikten zu lernen. Und – wenn du das willst – wirst du gute Unterstützung erfahren, wenn es darum geht eine gute Ausbildung oder Weiterbildungen zu erhalten, zumindest in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Du kannst also selber Verantwortung dafür übernehmen, so gesund wie möglich zu bleiben oder zu werden. 

Nun fragst du dich vielleicht, was das bisher Gesagte mit Selbstheilung oder Selbstheilungskräften zu tun hat? Schliesslich gibt es chronische und auch unheilbare Krankheiten. Das ist richtig und doch hat die Medizin mit der zunehmenden Abwendung von der Pathogenese, also der „Fehlersuche“, und Hinwendung zur Salutogenese einen grundlegenden Wandel vollzogen. Sie gesteht der Patientin damit mehr Eigenverantwortung zu. Die meisten Ärzte sind sich heute wohl darüber einig, dass nicht sie es sind, die heilen. Sie kennen die medizinischen Zusammenhänge und stellen die Heilmittel und Therapien bereit. Heilung kann aber letztlich nur erfolgen oder zumindest die Erhaltung eines gewissen Masses an Gesundheit, wenn du es zulässt. Gesundheit kann nach Dr. Thomas Walser nicht „gemacht“ werden, sondern sie „gelingt“. Das setzt voraus, dass du darauf vertraust, gesund oder wenigstens gesünder werden zu können. Und auch dein Arzt oder deine Therapeutin sollte dir vertrauen und umgekehrt. Diesem Vertrauen liegt ein grundlegender Gesichtspunkt der Salutogenese zugrunde: das Kohärenzgefühl, das Gefühl der Stimmigkeit und Zuversicht. Und auch hierbei spielt wieder deine Grundhaltung gegenüber deinem Leben und der Welt eine Rolle. Wenn du alles immer nur als schlecht und negativ einstufst und als gegen dich gerichtet, wird es dir schwerfallen zuversichtlich zu sein. Damit wird zugleich der Genesungsprozess hinausgezögert. Bist du positiv gestimmt, betrachtest du die Welt und das Leben mit offenen Augen, vertraust auf dich, deinen Körper und deine Ärztin oder deinen Therapeuten, wird die Genesung oder auch die Erhaltung deiner Gesundheit leichter gelingen. Dann können deine Selbstheilungskräfte mit zum Prozess beitragen. 

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Drei Dinge können deine positive Grundeinstellung fördern – unabhängig davon, ob du krank oder gesund bist: 

1. Du solltest das Gefühl haben, dass du verstehst, was vor sich geht.  

2. Du solltest davon überzeugt sein, dass du die Situation handhaben und bewältigen kannst, dass dir also genügend Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um den Anforderungen zu begegnen.  

3. Du solltest das Gefühl haben, dass alles einen Sinn, eine Bedeutung hat, dass es sich lohnt, in diese Herausforderung Energie zu investieren, weil du letztlich irgendeinen Gewinn für dich daraus ableiten kannst. 

Wenn es dir gelingt, an diesen drei Zielen zu arbeiten, du also ein starkes Gefühl von Stimmigkeit und Zuversicht entwickeln kannst, wirst du leichter auf alle Anforderungen des Lebens reagieren können, weil dir dann unterschiedliche Verarbeitungsmuster zur Verfügung stehen. Selbstheilung bzw. Selbstheilungskräfte haben daher sehr viel mit Eigenverantwortung zu tun. Nimm die Herausforderung an und übernimm in diesem Sinne die Verantwortung für deine Gesundheit! Coretify hilft dir dabei. 

Herzlichen Dank an Dr. Thomas Walser (www.dr-walser.ch) für seine Basis für diesen Beitrag. Ergänzend wurde der Wikipedia-Artikel über Salutogenese herangezogen. 

Persönliche Tipps für dein gesundes Leben findest du in deinem Gesundheitsplan. Folge uns für aktuelle Tipps zu Gesundem Leben und Heilmethoden auch auf Facebook und Linkedin. 

Geschrieben von:

Dr. rer. nat. Christina Thomas

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Ayurveda – Erfahrungsmedizin für innere Balance

Lesedauer: 10 Minuten

Was kann eine Heilkunde, die Tausende Jahre alt ist, älter als jede andere, für die gesundheitlichen Herausforderungen der modernen Zeit schon leisten? Diese Frage stellt sich angesichts unserer heutigen apparativen Hochleistungsmedizin, die aber leider die Menschlichkeit und innere Balance etwas verdrängt hat.

Eine personalisierte Ganzheitsmedizin für innere Balance

Ayurveda – das Wissen vom Leben – vermittelt uns die Gesetzmässigkeiten der Natur in Bezug auf die Gesundheit. Und weil diese Gesetze zeitlos sind, verliert auch Ayurveda seine Gültigkeit nicht. Wenn wir uns mit diesem ältesten überlieferten Medizinsystem der Menschheit etwas näher befassen, stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass es sich um eine personalisierte Ganzheitsmedizin handelt. Was wir in der derzeitigen Entwicklung der Schulmedizin vielleicht als einen revolutionären Reifungsprozess betrachten, existiert offenbar bereits seit langem.

Patienten mit einer massgeschneiderten Ayurveda-Therapie zur Wiedererlangen oder Erhaltung der inneren Balance zu behandeln, muss eigentlich der Anspruch jedes ärztlichen Vorgehens sein. Für die Schulmedizin tat sich diese Perspektive aber erst mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und der Geburt der modernen Epigenetik auf. Im augenblicklichen Stadium einer individualisierten Medizin spielt vor allem die Pharmakogenomik eine wichtige Rolle, d.h. also die Wirkung individueller Erbanlagen auf Arzneimittel. Damit berühren wir aber auch ein eklatantes Defizit der gängigen ambulanten Praxis. Denn bei der Therapie beschränkt sich das ärztliche Prozedere heutzutage vornehmlich auf die Verordnung von Medikamenten und befasst sich nur marginal mit der Lebensweise eines Patienten. Gerade aber in diesem Nährboden wurzeln die Krankheiten, mit denen wir es gegenwärtig hauptsächlich zu tun haben. Und weil in der Disziplin, die wir heute „Lifestyle Medizin“ nennen, eine der ganz großen Stärken des Ayurveda liegt, lohnt es sich gerade für den ärztlichen Alltag, sich intensiv damit auseinanderzusetzen.

Homöostase und die drei Doshas

Die Grundlage des ayurvedischen Gesundheitsverständnisses sowie der Ätiologie, Pathophysiologie, Therapie und Prävention ist das Konzept des Gleichgewichts, der Homöostase oder des Steady State. Also der inneren Balance. Doch anders als unsere moderne Physiologie und Biochemie, die das Phänomen der Homöostase auf unzählige, wechselwirkende, homöostatische Regelkreise herunterbrechen, definiert Ayurveda den Steady State als das harmonische Wechselspiel von drei Bioprogrammen, die Doshas genannt werden. Diese drei Doshas heissen Vata, Pitta und Kapha und schaffen alle Strukturen im Organismus und steuern auch ihre Funktionen.

Um sich unter diesen Bioprogrammen konkret etwas vorstellen zu können, vergleichen wir den Körper der Einfachheit halber einmal ganz mechanistisch mit einer Verbrennungsmaschine, die wir im Wesentlichen mit vier Energieträgern „füttern“: mit unserer Nahrung, mit Flüssigkeit, mit Licht und mit Sauerstoff. Diese Energieträger setzt der Körper um in 1. kinetische Energie, also Bewegung, 2. thermische Energie oder Wärme und 3. den kontinuierlichen Wiederaufbau seiner eigenen Strukturen, sprich seiner Organe und Gewebe.

Übersetzt in die ayurvedische Terminologie stehen kinetische Energie für Vata, thermische Energie für Pitta und die materiellen Strukturen für Kapha.

Vata steuert demnach alle Bewegungsabläufe im Organismus. Dazu gehört nicht nur die Aktivität des Bewegungsapparats, also der Muskulatur und des Skelettsystems. Auch das pulsierende Herz, die sich weitende und zusammenziehende Lunge, das strömende Blut, die Erregungsmuster des Nervensystems, der motile Darm oder die sich teilenden Zellen befolgen die Signale von Vata. Weiter steht Vata für Kreativität, Flexibilität, Begeisterungsfähigkeit und Sprachbegabung.

Das Bioprogramm für die Wärmebildung und den Stoffwechsel heisst Pitta. Verdauung, Energieumsatz, Säure-Basen-Regulation unterstehen dem Pitta-Dosha. Alles, was der Organismus und der Wahrnehmungsapparat aufnehmen, wird von Pitta zerlegt und in die Körpergewebe transformiert. Die Funktionen der Haut – ihre Klarheit, Leuchtkraft und Ausstrahlung, die der Leber, der Milz, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse und anderer hormonproduzierender Organe hängen von einem ausgewogenen Pitta ab. Pitta ist ausserdem verantwortlich für die Klarheit des Intellekts, analytische Fähigkeiten, Durchsetzungskraft, Entscheidungsfreude, Ehrgeiz und Führungswillen.

Kapha ist das Strukturprogramm, es bildet das Gerüst der Materie. Es gibt dem Körper Festigkeit, Stabilität und Ausdauer, reguliert den Flüssigkeitshaushalt und repräsentiert die Energiespeicher des Organismus. Kapha erzeugt Ausdauer, Durchhaltevermögen, Empathie und Weitsicht.

Diese drei Doshas Vata, Pitta und Kapha arbeiten auf allen physiologischen Ebenen immer zusammen – in der Welt der Zelle ebenso wie in den Organen und Organsystemen. Doch bei jedem Menschen sind die Bioprogramme spezifisch verteilt und dadurch entstehen unterschiedliche Konstitutionstypen mit ihren ganz besonderen und individuellen Merkmalen – ihrer charakteristischen Persönlichkeit, ihren Neigungen und Abneigungen, ihren Talenten, ihrem Körperbau, ihrer Krankheitsdisposition etc. Bewegen sich die Doshas in ihrem spezifischen, individuellen Fliessgleichgewicht, ihrem Steady State, erfreuen wir uns bester Gesundheit. Geraten sie aus der Balance, werden wir krank. Auf einen vereinfachten Nenner gebracht, geht es in der ayurvedischen Medizin also darum, die Ausgewogenheit von Vata, Pitta und Kapha zu erhalten oder wiederherzustellen.

Wie geht ein ayurvedischer Arzt zur Stärkung der Balance vor?

Beantworten wir diese Frage anhand eines konkreten Falls: Inge Möller ist Steuerberaterin. 48 Jahre alt, verheiratet, zwei Töchter, eine in der Abiturvorbereitung, die andere in der Spätpubertät. Sie stemmt Beruf und Familie, fühlt sich fast immer gestresst und gehetzt. Sie klagt über Schlafstörungen, innere Unruhe, rezidivierende Spannungskopfschmerzen, Obstipation, massiven Blähbauch und Lumboischialgien. Die Symptome schwanken in ihrer Intensität – Wetterwechsel wirkt sich negativ aus, ebenso unregelmässige Mahlzeiten, viel Rohkost und Stress. Ausserdem beobachtet Frau Möller, dass die Symptome sich nachmittags sowie im Herbst und Frühjahr verstärken. Sie wird seit einiger Zeit schulmedizinisch therapiert, die Beschwerden haben sich jedoch nicht auf Dauer gebessert. Darum sucht Frau Möller einen ayurvedischen Arzt auf.

Diagnose

Am Anfang der ärztlichen Tätigkeit steht in jedem medizinischen System immer die Diagnose. Idealerweise findet der Arzt dabei die Ursache der Beschwerden, oft muss er sich aber mit der Behandlung von Symptomen begnügen. Im Gegensatz dazu sucht der ayurvedische Arzt die Ursache einer Krankheit immer in einem Ungleichgewicht zwischen den drei Bioprogrammen. Natürlich beachtet er auch die Manifestationen dieser Dysbalance, doch sein Fokus liegt auf dem entstandenen Missverhältnis von Vata, Pitta und Kapha. Das erkennt er primär aus dem Puls, der Anamnese und der körperlichen Untersuchung.

Puls

Wer zum ersten Mal mit der ayurvedischen Medizin zu tun hat, dem mag es ungewöhnlich erscheinen: Der Ayurveda-Arzt beginnt mit einer Pulsdiagnose. Mit drei Fingern ertastet er dabei das Wechselspiel der Bioprogramme, aus dem er z. B. die Aktivität des Stoffwechsels, die Ausscheidungsfunktionen, die Strukturen der Körpergewebe und die psychische Verfassung erkennen kann. Im Falle von Frau Möller wird er einen deutlichen Überhang des Vata-Doshas ertasten.

Anamnese

Um einen Menschen und sein Leben möglichst vollständig zu verstehen, bedarf es Zeit. Der ayurvedische Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit seinem Patienten. Dabei interessiert er sich für alles, was Einfluss auf die Gesundheit hat. Für gegenwärtige und vergangene Krankheiten, Ernährung, Tagesablauf, Schlafverhalten, Bewegung, Stressoren, Neigungen und Unverträglichkeiten. Für Beruf, Partnerschaft, Familie, soziales Umfeld, Herkunft, Kultur, Klima, für Vergangenes und die Gegenwart, Ängste, Verletzungen, Hoffnungen, Freuden, Lebensglück und Würde – für den ganzen Menschen eben.

In dem Gespräch mit Frau Möller bestätigt sich für den ayurvedisch geschulten Arzt das Ergebnis der Pulsdiagnose: eine deutliche Störung des Vata-Doshas.

Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung benutzt der ayurvedische Arzt alle seine Sinne, um sein Gegenüber zu erfassen. Er untersucht – wie jeder Schulmediziner auch – Kopf, Herz, Lunge, Kreislauf, Verdauungsorgane, Bewegungsapparat, Nervensystem. Er schaut sich besonders die Zunge an. Und er prüft detailliert die gesamte körperliche und geistige Konstitution im Hinblick auf die ayurvedische Typisierung seines Patienten.

Bei unserer Patientin, einer nicht sehr grossen, quirligen, zartgliedrigen und redseligen Frau, fällt eine Herzfrequenz von 92, ein geblähtes Abdomen, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung im LWS-Bereich, ein dunkelgrauer Zungenbelag und eine trockene Haut auf – alles Zeichen eines überzogenen Vata-Doshas bei einer vorwiegend vatageprägten Konstitution.

Apparative Diagnostik

Natürlich bedient sich der moderne ayurvedische Arzt heute auch – soweit nötig und verfügbar – State of the Art apparativer diagnostischer Verfahren, um seinen Befund zu ergänzen und zu vervollständigen.

Therapie

Auf der Grundlage einer gewissenhaften Diagnose entwirft der Ayurveda-Arzt nun ein ganzheitliches und personalisiertes Therapiekonzept zur Wiederherstellung der Balance aller Doshas. Dabei proklamiert er von Beginn an den Leitsatz: Gesundheit gibt es nicht auf Rezept! Es reicht nicht aus, ein paar Pillen zu schlucken und allein davon dauerhafte Heilung zu erwarten. Der Patient muss möglicherweise auch die eine oder andere Umstellung in seinen Lebensgewohnheiten vornehmen, denn wie Hippokrates bereits sagte: „Krankheiten fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Resultat all der kleinen Sünden, die wir täglich begehen.“

Ein ganzheitliches Therapiedesign muss nicht nur individuell auf einen Patienten zugeschnitten, sondern vor allem so konzipiert sein, dass jedes Behandlungselement das andere in seiner Wirkung verstärkt. Es muss praktikabel und umsetzbar sein – darum ist bei der therapeutischen Planung die Absprache des Arztes mit seinem Patienten von eminenter Bedeutung. Wenn wir bei unserer Patientin als Ursache ihrer Beschwerden eine Vata-Störung bei einer auch vorwiegend durch Vata geprägten Konstitution diagnostiziert haben, müssen all die verschiedenen therapeutischen Massnahmen zum einen Vata harmonisieren, zum anderen aber auch direkt die Symptome bekämpfen. Dabei stützt sich die Therapie vornehmlich auf folgende Pfeiler:

Phytotherapie

Der ayurvedische Arzt behandelt sanft und natürlich, wenn immer möglich ohne Chemie. Er setzt auf bewährte Heilmittel, von denen bei richtiger Anwendung keine Nebenwirkungen bekannt sind. Ayurvedische Präparate nutzen bevorzugt Heilpflanzen und mineralische Substanzen, die durch oft aufwendige und langwierige pharmazeutische Verfahren hergestellt werden. Im Falle unserer Patienten nützt eine Kombination der Heilpflanzen, die das überschüssige Vata in den unterschiedlichen Organsystemen beruhigt.

Ahara – Ernährung

Wer richtig isst, braucht keine Medizin – wer sich falsch ernährt, dem nützt keine Medizin. So heisst ein alter ayurvedischer Leitsatz, der die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit verdeutlicht. Darum legt der ayurvedische Arzt nach einer ausführlichen Analyse der Essgewohnheiten auf die Ernährungsberatung grossen Wert. Nicht für jeden gelten dabei die gleich en Regeln, ein ayurvedischer Ernährungsplan muss vielmehr detailliert auf den einzelnen abgestimmt werden – Konstellation der Bioprogramme, Gesundheitszustand, Verdauungskraft, Konstitution, Tages- und Jahreszeit dabei berücksichtigen. Bei unserer Patientin empfehlen sich u.a. vatareduzierende Nahrungsmittel, keine Rohkost, regelmässige warme Mahlzeiten, leichtes Essen morgens und abends, keine kalten Getränke, eine Einschränkung von Kaffee und schwarzen Tee.

Vihara – Chronohygiene

Es gibt keine Funktion im menschlichen Organismus, die nicht einem Biorhythmus unterliegt. Darum ist “eine Hygiene der Zeit“ wichtig für Heilungsprozesse und Gesundheit. Z.B. wird eine Reihe von Verdauungsenzymen nachts vom Körper nicht gebildet, das Mikrobiom zieht sich in das Darmlumen zurück – ein schweres Abendessen kann darum nur schlecht verarbeitet werden. Eine chronohygienische Beratung schliesst der natürlichen Biorhythmik angepasste Arbeit, Regeneration, Ernährung und Bewegung ein. Bei unserer Patientin heisst das möglichst früh ins Bett, regelmässige Regenerationsphasen, Meditation, moderate Bewegung am besten morgens, Hauptmahlzeit mittags.

Panchakarma – Entgiftung       

Es gibt in der ayurvedischen Medizin eine Vielzahl entgiftender Massnahmen, die man leicht zu Hause und im Alltag durchführen kann. Eine regelmässige Reinigung und Entlastung des Organismus, insbesondere des Stoffwechsels, sind für die Gesundheit so wichtig, weil wir im Laufe des Lebens 30 Tonnen Nahrung (davon isst jeder durchschnittlich 40 Schweine, einige hundert Hähnchen, 6.5 Tonnen Gemüse) und 50.000 Liter Flüssigkeit (jeder trinkt z.B. durchschnittlich 90.000 Tassen Kaffee und 980 Kästen Bier) zu uns nehmen, fortwährend etwa 100.000 verschiedene Giftstoffe aus der Umwelt einlagern und täglich den Restmüll von etwa 600 Milliarden abgestorbenen Zellen entsorgen müssen. Besonders effizient ist die Panchakarma-Therapie, eine grundlegende, systematische Detox-Behandlung, die unsere Patientin allerdings in einer Ayurveda-Klinik stationär durchführen sollte. Dabei sind zur Ausleitung des überschüssigen Vata bei ihr insbesondere Ölmassagen und Ölgüsse sowie Verfahren der Darmreinigung indiziert.

Yoga – Stressmanagement

Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress als die grösste gesundheitliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts ausgemacht. Darum gehört wirksame Stressbewältigung und Stärkung der inneren Balance heute zu den wichtigsten therapeutischen Massnahmen. Laut Experten sind mittlerweile 70% der Krankheiten auf Stress zurückzuführen. In der ayurvedischen Medizin und ihrer Schwesterdisziplin, dem System des Yoga, gibt es hocheffiziente Verfahren, um Stressresistenz, Resilienz und Leistungskraft zu verbessern. Dazu gehören z.B. leichte Körperübungen, die bei unserer Patientin gezielt bei der Behandlung ihres LWS-Syndroms eingesetzt werden können. Besonders wirksam wäre bei ihr auch der Einsatz einer mentalen Yoga-Technik, nämlich der Transzendentalen Meditation (TM), einer einfachen und dennoch hocheffizienten geistigen Methode der Tiefenentspannung, da ein Grossteil der Symptome bei Frau Möller stressbezogen sind. Das breite Wirkungsspektrum der TM ist wissenschaftlich umfassend dokumentiert.

Vyayama – Bewegung

Chronischer Bewegungsmangel gehört heute zu einer entscheidenden Ursache vieler Erkrankungen. Die richtige Form der Bewegung ist allein schon eine hervorragende „Arznei“ und stärkt das Immunsystem. Doch nicht jede Sportart passt für alle Menschen. Je nach Ungleichgewicht der Bioprogramme, Beschwerdebild, Konstitution, Alter und Neigung kann mithilfe von ayurvedischen Auswahlkriterien für jeden die geeignete Bewegungsform und Trainingsintensität ermittelt werden. Grundsätzlich gilt: Beim Sport sollte man sich nie überfordern. Leichte Yogaübungen und Walking sind bei unserer Patientin geeignet, um ihr Vata zu dämpfen.

Weitere Massnahmen

Das ayurvedische Therapiespektrum beschränkt sich nicht auf die aufgeführten Behandlungsmodule. Je nach Notwendigkeit kann zusätzlich eine Reihe von weiteren spezifischen Massnahmen ergriffen werden wie z.B. Marmatherapie oder Aromatherapie, die auch bei Frau Möller im Rahmen des ganzheitlichen ayurvedischen Ansatzes sehr nützlich wären.

Das Ziel ayurvedischer Therapie und Prävention

Heilung heisst das Idealziel jeder medizinischen Intervention. Aus Sicht des Ayurveda bedeutet das aber nicht nur das Kurieren einer Krankheit und seiner Symptome, sondern die nachhaltige Wiederherstellung des Dosha-Gleichgewichts. Bei Frau Möller endet die Behandlung nicht, wenn die Beschwerden beseitigt sind und die Therapie abgeschlossen ist. Sie mündet dann in die Prävention künftiger Erkrankungen.

Ein besonderer Pfeiler dieser Strategie heisst Satmya und Asatmya. Ein Organismus im Gleichgewicht sendet die Signale aus, die klar anzeigen, was ihm guttut und was nicht, was seine Wahrheit ist und was nicht – in der ayurvedischen Terminologie: was für ihn Satmya ist und was Asatmya. Das betrifft alles im Leben eines Menschen. Es geht also langfristig darum, die Empfindsamkeit für die Botschaften aus dem Inneren so zu steigern, dass wir die eigene Körperintelligenz wieder spüren und lernen, auf sie zu vertrauen und achtsam mit uns, mit anderen sowie mit unserer Umgebung umzugehen.

Auf diesem Weg gilt ein wichtiges Augenmerk der Compliance: Die ayurvedische Medizin pocht ganz und gar nicht auf eine radikale Veränderung des Lebens, sondern vertritt eine Strategie der kleinen Schritte. Behutsam schädliche Gewohnheiten durch nützliche zu ersetzen – so heisst die Devise. In der Therapie wie in der Prävention.

Wenn ein ayurvedischer Mediziner seine Patienten auf dem Pfad hin zu einer ganzheitlichen Gesundung begleitet, dann sollte er sich – ganz so, wie es in den 3500 Jahre alten klassischen Texten geschrieben steht – nicht nur als Arzt im gängigen Sinne begreifen, sondern auch als Freund, Philosoph und weiser Ratgeber. Und dabei soll er mitfühlend und einfühlsam sein, geduldig zuhören, verstehen und Mut machen.

Konkrete Informationen zur Behandlung mit Ayurveda findest du bei den Heilmethoden verschiedener Krankheiten. Zudem basieren unsere Ernährungsempfehlungen auf der Ernährungslehre von Ayurveda. Aktuelle Infos findest du auch auf unserem Facebook-Profil.

Geschrieben von:

Dr. med. Ulrich Bauhofer

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Wie wir unsere Gene steuern

Lesedauer: 3 Minuten

Gene beein­flus­sen unsere Ver­an­la­gung für Krank­hei­ten, aber auch unser Lebens­stil spielt eine Rolle. Finde heraus, wie du wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse für dich nutzen kannst.

Epi­ge­ne­tik, Gene und Umwelt

Wis­sen­schaft, Bio­lo­gie, Gene­tik. Klingt alles lang­wei­lig? Dann pass mal auf. Denn das Feld der Epi­ge­ne­tik geht uns alle etwas an. Es ist schon lange bekannt, dass unsere Gene in vielen Hin­sich­ten die Fäden ziehen: Sei es bei chro­ni­schen Krank­hei­ten oder der Ver­an­la­gung zu psy­chi­schen Pro­ble­men. Aber inwie­fern haben wir selbst die Finger im Spiel, wenn es um unsere Gene geht? 

Juckt es unsere Gene, wie wir essen, wie viel wir arbei­ten oder wo wir leben? Können wir unsere Gene beein­flus­sen und wenn ja, wie geht das? Wir haben her­aus­ge­fun­den, dass die Wis­sen­schaft der Gene viel span­nen­der ist, als uns der Bioun­ter­richt je weis­ma­chen konnte. In diesem Arti­kel nehmen wir dich mit in die win­zigste Bau­stein­kiste der Welt.

Was sind Gene?

Fangen wir bei den Basics an, den Genen. Der mensch­li­che Körper besitzt 30 bis 40 Tau­send Gene. All diese Gene sind in jeder Zelle ent­hal­ten, aber trotz­dem unter­schei­den sich unsere Zellen von ihrer Funk­tion her, da immer nur bestimmte Gene aktiv sind. Gene bilden den Abschnitt der DNA, der die Erb­in­for­ma­tion ent­hält – und sind damit essen­zi­ell für die Zell­tei­lung. Sie fun­gie­ren als eine Art Code, der von der Zelle ent­schlüs­selt werden muss. Mit den ent­schlüs­sel­ten Infor­ma­tio­nen erhält die Zelle eine Art Bau­plan zur Bil­dung von Pro­te­inen. Je nachdem, welche Gene aktiv sind, wird aus einer Zelle eine Leber-, eine Haar- oder eine Haut­zelle. Und da krat­zen wir auch schon an unse­rem Kern­thema: der Epi­ge­ne­tik.

Epi­ge­ne­tik: Eine Defi­ni­tion

Die Vor­silbe ​„Epi“ bedeu­tet so etwas wie ​„über“. Also über oder zusätz­lich zur Gene­tik. Und diese zusätz­li­che Ebene ist viel fle­xi­bler als unsere ​„Kern­gene“. Wie eben erklärt, besitzt unser Körper über 250 ver­schie­dene Zell­ty­pen, aber alle haben die glei­che DNA-Sequenz. Den Unter­schied macht näm­lich die Epi­ge­ne­tik: Durch Modi­fi­ka­tio­nen werden bestimmte Regio­nen der DNA mar­kiert und so akti­viert, deak­ti­viert oder ​„gedimmt“. Dadurch werden Funk­tion und Eigen­schaf­ten der Zelle erzeugt. Wie genau funk­tio­niert das? Unter­schei­den wir zunächst zwi­schen zwei bekann­ten Funk­ti­ons­wei­sen der Epi­ge­ne­tik:

Methy­lie­rung

Bei der DNS-Methy­lie­rung docken Methyl­grup­pen (also Koh­len­was­ser­stoff-Mole­küle) an den DNS-Strang an. DNS bedeu­tet übri­gens Des­oxy­ri­bo­nu­kle­in­säure und ist die deut­sche Abkür­zung für DNA und damit Träger unse­rer Erb­in­for­ma­tion. Die Methyl­grup­pen ver­hin­dern dadurch, dass die nach­fol­gen­den Gen­se­quen­zen von der Zelle gele­sen werden. Diese können somit nicht in Pro­te­ine umge­wan­delt werden – das Gen wird durch die Mar­kie­rung aus­ge­schal­tet.

Histon-Ace­ty­lie­rung

Wir müssen uns vor­stel­len, dass so ein DNS-Strang zwei Meter lang ist. Ganz dicht gepackt ist er im Zell­kern ein­ge­rollt, wobei er sich um Hun­dert­tau­sende von klei­nen Perlen windet, soge­nannte His­ton­kom­plexe. Um ein Gen so gut ein­ge­wi­ckelt zu akti­vie­ren, muss es also erst ein mal ent­packt werden. Dabei helfen Ace­tyl­grup­pen, denn sie lockern den Strang und machen ihn so lesbar. So können also auch Ace­tyl­grup­pen beein­flus­sen, welche Gene wie gut gele­sen und umge­wan­delt werden können.

Das sind nur zwei Pro­zesse kurz erklärt, in Wirk­lich­keit ist das Thema natür­lich viel umfang­rei­cher. Fest­hal­ten können wir, dass Mar­kie­run­gen im Laufe unse­res Lebens stän­dig akti­viert und deak­ti­viert werden können. Dieser Pro­zess ist aber noch nicht die Epi­ge­ne­tik, son­dern die Gen­re­gu­la­tion. Zur Epi­ge­ne­tik wird es, sobald die Ables­bar­keit von Genen lang­fris­tig ver­än­dert wird. Dabei spie­len Umwelt­ein­flüsse, dar­un­ter auch psy­chi­sche Erleb­nisse, eine wich­tige Rolle.

Epi­ge­ne­tik bezieht sich aber nicht nur auf das Wech­sel­spiel von Umwelt und Genen. Es han­delt sich um ein rie­si­ges For­schungs­feld, das zum Bei­spiel auch unter­sucht, ob epi­ge­ne­ti­sche Modi­fi­ka­tio­nen über Gene­ra­tio­nen ver­erbt werden können und inwie­fern diese Pro­zesse eine Rolle in der Evo­lu­tion spie­len.

Wech­sel­spiel zwi­schen Genen und Umwelt

Fragst du dich mitt­ler­weile, warum uns das als Nichtwis­sen­schaft­ler eigent­lich alles inter­es­sie­ren sollte? Ganz ein­fach: Ver­ste­hen wir, wie unser Körper funk­tio­niert und wie wir ihn stän­dig durch unser Denken und Han­deln beein­flus­sen, können wir besser in Ein­klang mit uns leben. ​„Wenn man das begreift, was im Körper abläuft, […] braucht man keine klaren Vor­schrif­ten mehr“, sagt Peter Spork, Autor des Buches ​„Gesund­heit ist kein Zufall“. Rat­ge­ber, Diäten und Co. sind am Boomen, dabei soll­ten wir uns eigent­lich mit unse­rem eige­nen Körper und Geist aus­ein­an­dersetzen, anstatt blind den Metho­den ande­rer hin­ter­herzurennen. 

Es geht darum, Pro­zesse zu ver­ste­hen und für uns zu nutzen. So können wir uns eine Menge Leid abneh­men und neben der Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät auch das Risiko für ernst­hafte Krank­hei­ten ver­rin­gern.

Hier ein Bei­spiel: Bist du sehr gebor­gen und umsorgt auf­ge­wach­sen, wurden deine Zellen im Stress­re­gu­la­ti­ons­sys­tem so geprägt, dass du resi­li­en­ter bist: Du kannst mit Stress und Rück­schlä­gen besser umge­hen. Dadurch wurden deine Gene so beein­flusst, dass das Risiko, psy­chisch zu erkran­ken, gerin­ger ist. Dass die Kind­heit eine ent­schei­dende Rolle in der Ent­wick­lung von psy­chi­schen Erkran­kun­gen spielt, ist schon lange bekannt. Inter­es­sant ist, dass sich diese Prä­gung im Laufe deines Lebens auch immer wieder ändern kann. So beein­flus­sen spä­tere Erleb­nisse, aber auch dein per­sön­li­ches Emp­fin­den und dein Umgang damit, deine Gen­mo­di­fi­ka­tio­nen. Und da sich unsere Zellen im Körper stän­dig erneu­ern, wird diese Modi­fi­ka­tion durch die Mitose (Zell­tei­lung) immer weiter gege­ben.

Selbst wenn du also eine sehr nega­tiv geprägte Kind­heit hat­test, sind deine Gene des­we­gen nicht ver­lo­ren. Sie können beein­flusst werden. Durch The­ra­pie, gesunde Ver­hal­tens­mus­ter wie Sport, Ernäh­rung und Ent­span­nung und lie­be­volle Bezie­hun­gen zum Bei­spiel. Und so wird auch lang­sam klar, warum Acht­sam­keit eine wich­tige Rolle in diesem Thema spielt.

Nutze unsere Übungen zu Achtsamkeit und Meditation.

Medi­ta­tion beein­flusst unsere Gene – und hält uns jung

Immer mehr Stu­dien bele­gen, dass Acht­sam­keits­me­di­ta­tion unsere psy­chi­sche und phy­si­sche Gesund­heit posi­tiv beein­flusst. Aber warum eigent­lich? Die Epi­ge­ne­tik bietet For­schern eine span­nende Fährte.

Um die Wir­kung von Medi­ta­tion zu ver­ste­hen, müssen wir zunächst begrei­fen, was in den Zellen genau pas­siert. Es gibt Enzyme (Telo­me­rase), die für die Wie­der­her­stel­lung der End­stü­cke von Chro­mo­so­men (soge­nannte Telo­mere) zustän­dig sind. Dieser Pro­zess ist unglaub­lich wich­tig, damit wäh­rend der Zell­tei­lung alle Infor­ma­tio­nen kor­rekt über­mit­telt werden und keine feh­ler­haf­ten Pro­te­ine abge­le­sen werden. Werden die Telo­mere nicht mehr rich­tig erneu­ert, stirbt die Zelle irgend­wann ab. So lässt sich u.a. auch unser Alte­rungs­pro­zess erklä­ren. Mithilfe des Enzyms Telo­me­rase können die Chro­mo­so­men­den aber ver­län­gert werden und unsere Zellen länger leben. Des­we­gen sind Telo­me­rase auch als eine Art ​„Jung­brun­nen“ bekannt.

Stu­dien unter­such­ten den Zusam­men­hang von Telo­me­rase und Medi­ta­tion, indem For­scher die Länge der Telo­mere von medi­tie­ren­den und nicht medi­tie­ren­den Per­so­nen ver­gli­chen. Medi­tie­rende hatten durch­schnitt­lich län­gere Telo­mere und eine höhere Anzahl an Telo­me­rase. Acht­sam­keit beein­flusst uns also tat­säch­lich auf gene­ti­scher Ebene. Indem wir medi­tie­ren, ver­lang­sa­men wir unse­ren Alte­rungs­pro­zess und Risiko für Krank­hei­ten.

Durch deine Art, zu leben, Tag für Tag, beein­flusst du deine Gene, die Erneue­rung deiner Zellen und damit deine Gesund­heit. Lass dich durch dieses Wissen aber nicht unter Druck setzen. Ein Scho­ko­rie­gel wird deine Gene­tik nicht lang­fris­tig beein­flus­sen. Viel mehr sind es die kon­stan­ten gesun­den Gewohn­hei­ten, die unsere tiefs­ten Ebenen ver­än­dern. Mit diesem Gedan­ken im Hin­ter­kopf: Atme tief durch. Behandle dich gut. Und setze dich nicht unter Druck.

Dieser Beitrag erschien erstmals im „7Mind“-Magazin.

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Geschrieben von:

Carlotta Koroll

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So wirkt sich positives Denken auf den Körper aus

So wirkt sich positives Denken auf den Körper aus

Lesedauer: 4 Minuten

Das Leben teilt uns gewissermassen in Optimisten und Pessimisten. Doch welche Weltansicht bringt uns weiter? Unter Medizinern gibt es eine Tendenz: Positives Denken fördert die Gesundheit.

Schau auf die Sonnenseite des Lebens. Sieh das Glas halb voll statt halb leer. Jeder Tag ist es wert, gelebt zu werden.

Ja, diese Sätze klingen irgendwie nach Küchentischphilosophie. Dennoch ist sich kein Optimist zu schade, sie oft und gern zu benutzen. Und ja, auch uns nerven positives Denken und solche Sprüche ab und an.

Forscher gehen allerdings davon aus, dass diese Lebensweisheiten weit mehr können, als uns daran zu erinnern, wie schön und gut und toll doch alles ist. Tatsächlich haben sie positiven Einfluss auf unsere Gesundheit – und sollen sogar lebensverlängernd sein.

Coretify Gesundheitsberatung Gesund leben

Für viele Forscher ist klar: Das, was im Gehirn passiert, beeinflusst das, was im Körper passiert. So haben frühere Studien bereits gezeigt, dass es eine Verbindung zwischen einer positiven Lebenseinstellung und unserer Gesundheit gibt. Dies äussert sich zum Beispiel durch einen niedrigeren Blutdruck, geringere Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen, bessere Gewichtskontrolle oder einen gesünderen Blutzuckerspiegel.

Eine positive Lebenseinstellung kann sogar noch mehr: Selbst bei unheilbaren Krankheiten können positive Gefühle und Gedanken die Lebensqualität erheblich verbessern.

Fakt ist natürlich: Erkrankungen wie Krebs heilen nicht von selbst. „Betroffene können aber mitunter ihre Situation verbessern, wenn sie ihre schwere Erkrankung bewusst annehmen und versuchen, ihr positive Gedanken entgegenzusetzen“, erklärt Neurobiologe Prof. Gerald Hüther.

Dr. Wendy Schlessel Harpham, Autorin mehrerer Bücher für Krebspatienten und frühere Internistin, bekam vor 27 Jahren die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Nach 15 Jahren Behandlungen und acht Krebsrückfällen hat sie ihre Einstellung zum Leben geändert. Sie umgab sich fortan mit Menschen, die positiv waren, führte eine Art Dankbarkeitstagebuch und konzentrierte sich auf das Gute im Leben. Seit zwölf Jahren ist Harpham symptomfrei. Die Förderung positiver Emotionen hat dazu beigetragen, dass mein Leben nicht besser sein könnte. Sie haben harte Zeiten einfacher gemacht, obwohl sie für meine Krebszellen keinen Unterschied machten.

Jetzt könnte man sagen, in diesem speziellen Fall hat es zufällig geholfen. Doch auch die Forschung geht davon aus, dass Menschen Fähigkeiten erlernen können, die ihnen helfen, positive Emotionen zu fördern, wenn sie mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind.

Acht Fähigkeiten, positive Gefühle zu fördern

Judith T. Moskowitz, Professorin für Medizinische Sozialwissenschaften an der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago, hat acht Fähigkeiten entwickelt, um positive Emotionen zu fördern.

Das wichtigste Ziel der Fähigkeiten: Der Mensch soll lernen, sich in einer gesundheitlichen Krise glücklicher, ruhiger und zufriedener zu fühlen. Dass sich dabei auch die Gesundheit der Menschen verbessert, sie sogar länger leben, ist ein Bonus.

Jeder Teilnehmer wird ermutigt, mindestens drei der acht Fähigkeiten zu erlernen und sie einen oder jeden Tag zu üben.

Und das sind die acht Fähigkeiten:

  1. Jeden Tag ein positives Erlebnis erkennen.
  2. Koste diesen Moment aus, schreib ihn auf oder erzähle jemandem davon.
  3. Beginne, ein Dankbarkeitstagebuch zu schreiben.
  4. Schreibe eine positive Eigenschaft von dir auf und beobachte, wie du sie einsetzt.
  5. Setze dir ein erreichbares Ziel und beobachte deinen Fortschritt.
  6. Schreibe etwas auf, dass dir vergleichsweise wenig Stress bereitet, und finde Strategien, wie du dem Ganzen etwas Positives abgewinnen kannst.
  7. Erkenne und übe täglich gütige Taten.
  8. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und nicht auf die Vergangenheit oder Zukunft.

Dr. Moskowitz konnte beobachten, dass Menschen mit HIV, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Krankheiten länger lebten, wenn sie diese Fähigkeiten erlernten und positive Emotionen zeigten. Im nächsten Schritt wollten wir sehen, ob Menschen, denen wir die Fähigkeiten beibringen, positive Emotionen zu fördern, besser mit Stress und ihrer körperlichen Gesundheit umgehen können. Judith T. Moskowitz, Professorin für Medizinische Sozialwissenschaften

In früheren Forschungen konnten sie und ihre Kollegen feststellen, dass Menschen mit HIV-Diagnosen, die diese Fähigkeiten praktiziert haben, ihre Medikamente ordnungsgemässer einnahmen und weniger wahrscheinlich Antidepressiva benötigten, um mit ihrer Krankheit fertig zu werden.

Die Forscher untersuchten hierfür 159 Menschen, die erst kürzlich erfahren hatten, dass sie HIV hatten. Die Patienten sollten entweder eine Art Emotionsschulung absolvieren oder bekamen allgemeine, beratende Hilfe. 15 Monate nach ihrer HIV-Diagnose gingen diejenigen, die die acht Fähigkeiten zur Emotionsförderung trainierten, besser mit ihrer Infektion um als die anderen.

In einer weiteren Studie mit 49 Patienten, die Typ-2-Diabetes hatten, konnte ein Online-Kurs, in dem die Patienten positive Emotionen trainieren sollten, ebenfalls dabei helfen, negative Gefühle und Stress zu reduzieren. Das führte dazu, dass die Diabetiker ihren Blutzucker besser kontrollieren konnten, sie bewegten sich zudem mehr und ernährten sich gesünder. Zudem rauchten sie weniger und verringerten insgesamt ihr Sterberisiko.

Der Online-Kurs zum Trainieren positiver Gefühle wurde ebenfalls in einer Pilotstudie mit 39 Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt. Laut Dr. Moskowitz verringerten sich die Depression unter ihnen: “Das ist keine Raketenwissenschaft. Ich stelle diese Fähigkeiten nur zusammen und teste sie wissenschaftlich”, erläutert Prof. Judith T. Moskowitz.

Positive Einstellung fördert Gesundheit

Dr. Moskowitz ist sich sicher: Eine positive Lebenseinstellung verbessert die Lebensqualität der Patienten und folglich auch ihre Gesundheit.

So konnte sie insgesamt feststellen, dass die Einnahme von Medikamenten besser eingehalten wurde, gesunde Verhaltensweisen gefördert wurden, die Patienten eher gewillt waren, soziale Unterstützung zuzulassen, und ihre Aufmerksamkeit auf die guten Dinge im Leben richteten.

Ein Grund mehr, sich schöne Gedanken zu machen, oder?

Der Beitrag erschien erstmals am 15.04.2017 in der „Welt”.

Praktische Tipps zu positivem Denken findest du in unserer Rubrik Entspannung.

Geschrieben von:

Julia Haase

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So hilft dir Traditionelle Chinesische Medizin

So hilft dir Traditionellen Chinesische Medizin: Interview mit Dr. med. Cornelia Böttcher über das Erfolgsgeheimnis der TCM: Die Kaiser haben den Arzt entlassen, wenn sie krank wurden.

Videodauer 7 Min.

 

So hilft dir Traditionelle Chinesische Medizin: “Die Kaiser haben den Arzt entlassen, wenn sie krank wurden” fasst Dr. med. Cornelia Böttcher den Erfolg der TCM in der Prävention zusammen. Du erfährst in dem Interview, was die Stärken der TCM sind und warum es wichtig ist, eine Krankheit nicht nur auf der körperlichen Ebene zu behandeln. Lerne von unserer Fachexpertin für TCM, was es braucht, um Krankheiten grundlegend zu heilen, und wie dabei die klassische Schulmedizin und bewährte komplementäre Behandlungsmethoden bestmöglich zusammenwirken können. Erfahre, wie TCM dir helfen kann, zu deinem inneren Gleichgewicht zu finden und nachhaltig gesund zu bleiben oder zu werden.

Du findest bei Coretify im Bereich Heilmethoden einfach verständliche Informationen, wie dir TCM bei über 40 Allergien und chronischen Krankheiten helfen kann. Beiträge zu fünf weiteren bewährten Behandlungsmethoden findest du ebenfalls im Bereich Heilmethoden. Tipps für deinen gesunden Alltag erhältst du in deinem Gesundheitsplan

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist als Behandlungsmethode bereits über zweitausend Jahre alt. Sie ist von dem Ayurveda beeinflusst, das noch wesentlich älter ist. Beide Lehren vertreten die Ansicht, dass Körper und Geist eine Einheit bilden. Die Säulen der modernen TCM sind Arzneimittelkunde (Kräutertherapie), Akupunktur, Tuina, Shiatsu und Qigong. Neben der Arzneimittellehre ist heute besonders die Akupunktur sehr wichtig und hat sich in der westlichen Welt als alternative Heilmethode einen sehr guten Ruf erworben.

Dr. med. Cornelia Böttcher ist Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Akupunktur, Chirotherapie/Manuelle Medizin und spezielle Schmerztherapie. Nach langjähriger Kliniktätigkeit praktiziert sie nun in eigener Praxis in der Nähe von München mit den Schwerpunkten Chinesische Medizin und Coaching/Begleitung in Lebenskrisen. Ausserdem ist sie Dozentin für Chinesische Medizin und Akupunktur. 2018 erschien ihr zweites Buch mit dem Titel “TCM Praxis Buch”.

 

Beiträge zu fünf weiteren bewährten Behandlungsmethoden findest du ebenfalls im Bereich Heilmethoden. Tipps für deinen gesunden Alltag erhältst du in deinem Gesundheitsplan

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Geschrieben von:

Dr. med. Cornelia Böttcher

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So hilft dir Homöopathie

So hilft dir Homöopathie: Die beste Behandlung für den Patienten ist die Zukunftsvision von Dr. Martine Jus, der Gründerin und CEO des SHI Haus der Homöopathie.

Videolänge 7 Min.

 

 

So hilft dir Homöopathie: Erfahre in dem Interview mit Dr. Martine Jus, welche die beste Behandlung für dich ist. Jeder Mensch ist einzigartig und dementsprechend braucht jeder auch im Falle einer Krankheit eine Behandlung, die seinen individuellen körperlichen und seelischen Bedingungen entspricht. Dr. Martine Jus ist überzeugt: Für dieselbe Krankheit braucht es teilweise eine völlig unterschiedliche Behandlung, je nach den persönlichen Voraussetzungen eines Menschen. Sie hat vor über 30 Jahren das SHI Haus der Homöopathie in der Schweiz gegründet und seitdem mehrere Generationen von Patientinnen und Patienten betreut. Viele davon kommen nach eigenen gute Erfahrungen dann sogar gleich mit ihren Kindern von Beginn an in Behandlung.

Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die den Zustand von Körper, Geist und Seele berücksichtigt. Das Wort „Homöopathie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ähnliches Leiden“.

Samuel Hahnemann begründete die Homöopathie im 19. Jahrhundert in Leipzig mit seinem Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.“ Dementsprechend werden homöopathische Arzneimittel so ausgewählt, dass sie an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen hervorrufen könnten wie die, an denen eine erkrankte Person leidet.

Homöopathie berücksichtigt zusätzlich zum körperlichen Zustand auch die gegenwärtige und vergangene Geschichte des Patienten und seiner Familie. Zudem werden Charakter und Wesen des Patienten, seine Vorlieben und Abneigungen sowie die Umstände, unter denen sich sein Leiden verbessert bzw. verschlimmert, einbezogen.

Du findest bei Coretify im Bereich Heilmethoden einfach verständliche Informationen, wie dir Homöopathie bei über 40 Allergien und chronischen Krankheiten helfen kann. Beiträge zu fünf weiteren bewährten Behandlungsmethoden findest du ebenfalls im Bereich Heilmethoden. Tipps für deinen gesunden Alltag erhältst du in deinem Gesundheitsplan.

Martine Jus hat eine über dreissigjährige Erfahrung in Homöopathie. Sie leitet das SHI Haus der Homöopathie, ein international anerkanntes Kompetenzzentrum für klassische Homöopathie in Zug/Schweiz, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Mohinder Singh Jus gegründet und aufgebaut hat. Nach dem unerwarteten Tod von Dr. Jus in 2019 führt sie zusammen mit ihrem engagierten Team das gemeinsame Lebenswerk weiter. Neben ihrer Praxistätigkeit in der SHI Homöopathischen Praxis ist sie Dozentin und Referentin an internationalen und nationalen Kongressen und Autorin vieler Publikationen. Dr. Martine Jus ist Dipl. Homöopathin SHI/hfnh.

 

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Geschrieben von:

Dr. Martine Jus

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Hilft Vitamin D gegen Covid-19?

Lesedauer: 5 Minuten

Das Sonnenvitamin D wird eigentlich eher mit gesunden Knochen in Verbindung gebracht. Unter Umständen beeinflusst eine ausreichende Versorgung damit aber auch den Verlauf von Covid-19-Erkrankungen.

Es ist eines der Vitamine, die eigentlich Selbstläufer sein sollten: Das Vitamin D, das physiologisch ein Hormon ist, entsteht, wenn Sonnenlicht auf die Haut trifft – oder genauer der UVB-Anteil des Sonnenlichts. Im Sommer reichen bei heller Hautfarbe in unseren Breiten zur Mittagszeit weniger als zehn Minuten Sonnenschein auf Gesicht, Hände und Arme, um den Tagesbedarf zu decken. Zu weniger hautkrebsgefährdenden Zeiten am Morgen oder Nachmittag dauert es etwas länger, ist aber immer noch mit höchstens einer guten halben Stunde getan. Warum also gab es Vitamin-D-Mangelerscheinungen schon bei den Neandertalern?

Die einfache Antwort ist: wegen des Wetters. Die Neandertaler lebten während der Eiszeit, die Sonne schien wenig und die Menschen dürften ihre Haut gut bedeckt gehalten haben. Denn die halbe Stunde an einem Sommermorgen wird im zeitigen Frühjahr schnell zu über einer Stunde, die man mit blossen Armen in der Sonne verbringen sollte – so sie denn scheint. 

Dies wird als ein möglicher Faktor herangezogen, der an der offenbar gesunkenen Todesfallrate bei Sars-CoV-2-Infektionen beteiligt sein könnte. In den Wintermonaten liegen die Vitamin-D-Spiegel in der Bevölkerung tiefer als im Sommer und im Herbst; so fanden Forscher aus den USA bei ihren Versuchspersonen die höchsten Vitamin-D-Werte im September und die tiefsten im März. Tatsächlich leidet etwa die Hälfte der Schweizer Bevölkerung im Winter an einem Vitamin-D-Mangel, wie Heike Bischoff-Ferrari von der Universität Zürich erklärt. 

Vitamin D stärkt das Immunsystem

Man wisse, dass Vitamin D eine immunmodulierende Wirkung habe und Entzündungen senken könne, erklärt die Klinikdirektorin Geriatrie des Universitätsspitals Zürich, des Stadtspitals Waid und des Triemli weiter. Dies könne auch für die Entzündungsreaktion relevant sein, die von Sars-CoV-2 ausgelöst werde, und damit den Schweregrad der Infektion beeinflussen. 

Ohne ausreichend Sonnenlicht kommt die körpereigene Vitamin-D-Produktion ins Stocken.

Tatsächlich haben verschiedene Studien nun auch bereits einen Zusammenhang zwischen der Schwere einer Covid-19-Erkrankung und dem Vitamin-D-Spiegel der Betroffenen gefunden. Viele deuten darauf hin, dass ein zu niedriger Spiegel mit einem schwereren Verlauf der Krankheit korreliert. So fand eine in der Fachzeitschrift „Journal of Medical Virology“ online publizierte Metastudie, die entsprechende Untersuchungen an fast 1400 Patienten auswertete, dass diejenigen Personen mit schlechter Prognose signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel hatten als jene mit guter Prognose. Die Wissenschafter gingen so weit, den Vitamin-D-Spiegel als Faktor zur Prognose für den Verlauf der Erkrankung vorzuschlagen.

Ein kausaler Zusammenhang lässt sich hieraus aber noch nicht ableiten, zumal auch nicht alle Studien in dieselbe Richtung deuten. Der Vitamin-D-Spiegel in jenen Studien, die eine Korrelation zeigen, könne ein Zeichen oder eine Folge eines anderen Problems darstellen, das das eigentliche sei, das den Verlauf beeinflusse, sagt Manuel Battegay vom Universitätsspital Basel. So geht beispielsweise Übergewicht – ein bekannter Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf – oft mit einem Vitamin-D-Mangel einher. Auch betagte Personen weisen häufiger zu niedrige Werte auf. 

Pilotstudie zur Prävention gegen Covid-19

Doch nun deutet eine Pilotstudie von Forschenden der Universität Córdoba in Spanien auf einen direkteren Zusammenhang des Vitamin-D-Spiegels mit Covid-19. Aus einer Gruppe von 76 ins Spital eingewiesenen Covid-19-Patienten erhielten 50 zufällig ausgewählte Personen zusätzlich zur Standardtherapie in der ersten Woche zwei und dann wöchentlich eine Dosis des Vitamin-D-Stoffwechselprodukts Calcifediol, das im Körper zum aktiven Vitamin umgebaut wird. Weder die Patienten noch die behandelnden Ärzte wussten dabei, wer zu welcher Gruppe gehörte.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass von den mit Calcifediol behandelten Personen eine auf die Intensivstation musste; sie wurde später wieder entlassen. In der anderen Gruppe waren es dreizehn Patienten, von denen zwei verstarben. Die Forscher schliessen aus diesem (statistisch signifikanten) Ergebnis, dass Calcifediol möglicherweise die Schwere einer Covid-19-Erkrankung reduziert. 

Dies müsse allerdings noch in grösseren Studien untersucht werden, in denen die Patienten auch noch nach weiteren Merkmalen sortiert werden sollten, schreiben Marta Entrenas Castillo und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift «Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology». Mindestens eine grosse Studie soll demnächst starten: Eine ähnlich wie Castillos aufgebaute Untersuchung, an der 2700 Personen teilnehmen sollten, werde zurzeit von JoAnn Manson an der Harvard Medical School lanciert, berichtet Bischoff-Ferrari.

Man hat bereits von verschiedenen Atemwegsinfektionen und besonders auch der Tuberkulose Hinweise darauf, dass ein Vitamin-D-Mangel einen Risikofaktor darstellen könnte – einerseits für die Infektanfälligkeit an sich, andererseits auch für den Verlauf der Erkrankung. Man erklärt sich dies über den Einfluss des Vitamins auf das Immunsystem: Der Vitamin-D-Rezeptor sei auf vielen Zellen des Immunsystems verankert, erklärt Bischoff-Ferrari. 

Das Vitamin fördere unter anderem die Produktion antiviraler Stoffe im Körper und hemme die Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen, sogenannten Zytokinen, durch Fresszellen des Immunsystems. Eine übermässige Freisetzung dieser Stoffe, ein sogenannter Zytokinsturm, wird mit einem schwereren Covid-19-Verlauf in Verbindung gebracht. 

Traditionell ist Vitamin D als knochenstärkend bekannt

Bekannt ist Vitamin D allerdings eher für seine Wirkung auf Knochen und Muskeln. Bei Kindern war eine früher häufiger beobachtete Mangelerscheinung die Rachitis, bei der die Knochen schlecht mineralisieren, «weich» werden und sich im Wachstum verbiegen. Bei betagten Personen erhöht ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Zu hohe Dosen Vitamin D zu schlucken, kann sich allerdings ebenfalls negativ auswirken. Die Empfehlung sei für Erwachsene, 800 Internationale Einheiten (das entspricht 20 µg) am Tag einzunehmen, erklärt Bischoff-Ferrari. Diese Menge sei sicher und schade auch jenen Personen nicht, die keinen Vitamin-D-Mangel hätten. Und möglicherweise senke sie das Risiko, an einer schweren Covid-19 zu erkranken. Bei Kindern und Jugendlichen empfehle das Bundesamt für Gesundheit 600 Internationale Einheiten am Tag. Das sei gefahrlos und behebe einen allfälligen Mangel, sagt die Expertin.

Einen zu niedrigen Spiegel zu vermeiden, gilt aber auch für alle anderen Vitamine und Mineralstoffe: Eine gesunde Ernährung und Lebensweise sei grundsätzlich eine gute Vorsorge, auch was eine allfällige Erkrankung an Covid-19 angehe, betont Battegay. Ebenso wichtig sei, auf eine gute Versorgung und Einstellung allfälliger Grunderkrankungen zu achten. Dies sei in der Schweiz normalerweise gegeben. Mögliche Mängel hierbei könnten aber eventuell in anderen Ländern beobachtete, höhere Hospitalisierungsraten erklären, sagt der Experte.

Erstmals erschienen in der NZZ am 25. Oktober 2020

Weitere Ernährungstipps zu Vitamin D findest du in deinem Gesundheitsplan.

Geschrieben von:

Stephanie Kusma

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