Fachbegriffe der anthroposophischen Medizin

Fachbegriffe der anthroposophischen Medizin

Erfahre mehr zu Fachbegriffen der anthroposophischen Medizin aus den Beiträgen zu der anthroposophischen Behandlungsmethode. Du findest die Fachbegriffe nachfolgend alphabetisch aufgelistet.

Ätherische Organisation

Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und steht für den durchsonnten blauen Himmel. Dieses Licht ist es, das den Pflanzen von überall her die Möglichkeit gibt zu leben und zu wachsen. So umfasst der Begriff ätherische Organisation alle Gesetzmässigkeiten, die Leben ermöglichen und sich auf den flüssigen Aggregatzustand stützen. Insbesondere sind dies die rhythmischen Funktionsordnungen, die sogenannten Biorhythmen. Wer sie studiert, erkennt unmittelbar, dass diese Leben tragenden Rhythmen den Bewegungsverhältnissen von Sonne (biologische Uhr, zirkadiane Rhythmik, Jahresrhythmus), Mond (Wochen- und Monatsrhythmus) und Erde im Raum entsprechen. Modifiziert und ergänzt werden sie durch die Planetenrhythmen/Umlaufzeiten von Venus, Merkur, Mars, Jupiter und Saturn um die Erde.

Astralische Organisation

Die menschlichen Gefühlsäusserungen drücken sich körperlich aus durch die Art der Atmung, durch Mimik, Gestik, Bewegung, Körperhaltung. Die Gesetzmässigkeiten, die dies ermöglichen, werden astralische Organisation genannt und wirken über die Luft, d. h. den gasförmigen Aggregatzustand der Materie. Das Wort „Aster“ bedeutet im Griechischen und Lateinischen „Stern“. Dieser Name erinnert daran, dass die menschliche Seele aus der makrokosmischen Sternenwelt stammt und sich ihrer himmlischen Heimat mehr oder weniger bewusst ist. Im Schlaf und nach dem Tod weilt sie ebenfalls in dieser Welt. Daher ist „der Morgen klüger als der Abend“, weil uns das Nachtbewusstsein – wenn auch unbewusst – mit einer Weisheit begabt, die man sich bei Tage bewusst machen kann, wenn man darauf achtet. (Literatur: Michaela Glöckler, Meditation in der Anthroposophischen Medizin: Ein Praxisbuch für Ärzte, Therapeuten, Pflegende und Patienten, Berlin 2021)

Hysterischer Krankheitstypus

Hier überwiegen die auflösenden, entzündlichen Neigungen, die von den Stoffwechselprozessen ausgehen und sich in Form von Schwellungen und Entzündungskrankheiten zeigen. (Literatur: Matthias Girke, Innere Medizin: Krankheitsbilder und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin, Berlin 2020)

Ich-Organisation

Der menschliche Organismus ist von Gesetzmässigkeiten durchzogen, die die Körperwärme regulieren und durch die sich der Mensch als individuell-einmalig und ganzheitlich ausgerichtet erlebt. Entsprechend wird auch die körperliche, seelische und geistige Wärme einheitlich erlebt und ist Fundament seines Identitätsgefühls. (Literatur: Michaela Glöckler, Was ist Anthroposophische Medizin?, Dornach 2016)

Leibergreifung/Konstitution

Diese Begrifflichkeit steht für Inkarnation (Fleischwerdung) und Embodiment (Verkörperung). In seinem Drama Wallenstein sagt schon Friedrich Schiller (1759-1805): „Es ist der Geist, der sich den Körper schafft.“ D. h., im Laufe der Embryonalentwicklung und nach der Geburt bis zum Ausgewachsensein erfolgt die Bildung der Körperkonstitution (Körperverfassung) als ein Entwicklungsprozess, der es dem Heranwachsenden ermöglicht, sich immer differenzierter durch den Körper auszudrücken. Vorgeburtlich sind die Wesensglieder <Linkbegriff> Gesetzeszusammenhänge, die eine energetische, spirituell-gedankliche Realität besitzen (Immanenz), die durch die Empfängnis die Möglichkeit bekommt, sich eine körperliche Manifestation zu schaffen.

Nerven-Sinnes-System

Das überwiegend im Kopf lokalisierte System der Nerven und Sinnesorgane dient nicht nur der Wahrnehmung und dem Denken, sondern hat auch einen strukturierenden, formgebenden Einfluss auf den gesamten Organismus, der durch die Nerventätigkeit vermittelt wird. Überwiegt diese formgebende Aktivität, so kommt es zur neurasthenischen Konstitution (Verfassung). (Literatur: Matthias Girke, Innere Medizin: Krankheitsbilder und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin, Berlin 2020)

Neurasthenischer Krankheitstypus

Hier überwiegen die strukturierenden physiologischen (körperlichen) Prozesse, die zu Krankheiten führen, die mit Verhärtung und Sklerose zusammenhängen, wie beispielsweise beim Bronchialasthma oder der Arteriosklerose. (Literatur: Matthias Girke, Innere Medizin: Krankheitsbilder und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin, Berlin 2020)

Schilddrüsen-Organisation

Die Bildung und physiologische (körperliche) Wirkung der Schilddrüsenhormone betrifft nicht nur die damit zusammenhängenden körperlichen Funktionen, sondern diese haben auch Folgen für die seelische Verfassung und das geistige Ausdrucksvermögen. (Literatur: Matthias Girke, Innere Medizin: Krankheitsbilder und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin, Berlin 2020)

Stoffwechsel-Gliedmassen-System

Unterhalb des Zwerchfells liegen die Stoffwechsel- und Verdauungsorgane, die in engem Zusammenhang mit der Gliedmassentätigkeit stehen und der Kraft-Willens-Entfaltung dienen. Überwiegen die mit diesem System verbundenen Aufbauvorgänge, so kommt es zur überbordenden hysterischen Konstitution (Verfassung). (Literatur: Matthias Girke, Innere Medizin: Krankheitsbilder und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin, Berlin 2020)

Wesensglieder

Das menschliche Wesen erscheint vierfach zusammengesetzt: es hat geformte feste Anteile (physische Organisation), zirkulierende flüssige Anteile in Form von Blut, Lymphe, Liquor, Zell- und Gewebeflüssigkeit (ätherische Organisation), luftförmige Anteile als gelöste Gase, Luft in den Kiefer- und Nasennebenhöhlen sowie im Darm (astralische Organisation) sowie eine differenzierte Wärmeorganisation, die den gesamten Körper durchzieht, sensibel reguliert wird und das Fundament dafür abgibt, dass der Mensch sich als einheitlich und selbstbestimmt erlebt (Ich-Organisation). Diese vier Gesetzeszusammenhänge (Organisationen) werden in der Anthroposophischen Medizin „Wesensglieder“ genannt, weil sich der Mensch als geistiges, seelisches, lebendiges und körperliches Wesen auf diese vierfache Weise manifestiert und betätigt. In der anthroposophischen Literatur findet sich anstelle des Begriffs „Organisation“ auch der Ausdruck „Leib“, d. h. physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich-Leib bzw. -Organisation. Es handelt sich also bei diesen Wesensgliedern um Gesetzmässigkeiten, die einerseits im Laufe von Wachstum und Entwicklung den Leib bilden, andererseits können sie sich auch wieder im Laufe des Älterwerdens von der körperlichen Tätigkeit zurückziehen und ausserkörperlich rein seelisch und geistig wirksam sein. Auf diese Weise kann das Menschenwesen sowohl „inkarniert“ als auch „exkarniert“, d. h. sowohl verkörpert als auch in einer körperlosen vorgeburtlichen und nachtodlichen Existenz rein spirituell verortet werden. Es sind jeweils dieselben Gesetzmässigkeiten, die den Leib während der Embryonalentwicklung und im Laufe von Kindheit und Jugend bilden, die sich dann im Laufe des Lebens auch wieder von der körperlichen Tätigkeit zurückziehen und in die rein seelisch-geistigen Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens umwandeln, wie dies in der nachfolgenden Skizze zur Darstellung kommt. Dadurch ergibt sich ein ganzheitliches Menschenbild, in dem die körperliche und geistige Existenz konkret aufeinander bezogen betrachtet werden. D. h., dieselben Kräfte und Gesetzmässigkeiten, die den Leib bilden, finden sich auch leibunabhängig im seelischen und geistigen Erleben, wie es die nachstehende Skizze zeigt:

Literatur zu den Wesensgliedern: Rudolf Steiner: Theosophie: Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, Nachdruck der Ausgabe 1910, Dornach 2019). Die Skizze stammt aus Michaela Glöckler: Kita, Kindergarten und Schule als Orte gesunder Entwicklung, Stuttgart 2020, Seite 63.

 

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